Mittelmeer · N° 01

Gran Canaria

Wandern zwischen Dünen und Kratern

Gran Canaria
Beste Reisezeit

März bis Mai sowie September und Oktober

Empfohlene Dauer

7–10 Tage

Budget

€€€

Warum dieser Ort

Die erste Karte, die ich von dieser Insel sah, hing in der Casa de Colón in Las Palmas. Ein Nachdruck aus dem alten Atlantenbestand, und sie zeigte etwas, das ich für Übertreibung hielt. Im Norden ein grünes, feuchtes Bergland, im Süden eine trockene Fläche wie eine Schiefertafel. Zwei Inseln auf einer, sagte der Aufseher und lächelte. Wochen später stand ich oberhalb von Tejeda, die Passatwolken hingen im Kiefernwald, und unten, am anderen Ende der Insel, brannte die Sonne auf die Dünen von Maspalomas. Die alte Karte hatte recht behalten. Gran Canaria ist kein Ort zum Abhaken, sondern einer zum langsamen Durchwandern, und wer sieben Tage dafür einplant, braucht am Ende mehr.

Highlights

  • Roque Nublo: der 80 Meter hohe Basaltmonolith auf 1.813 Metern, Wahrzeichen der Insel im Parque Rural del Nublo
  • Dünen von Maspalomas: 400 Hektar Wanderschnee aus Sand, Reserva Natural Especial, nur auf markierten Pfaden zu betreten
  • Barranco de Guayadeque: die große Schlucht mit Höhlenwohnungen, die teils bewohnt und teils zu Restaurants geworden sind
  • Tejeda: das Dorf am Rand der Caldera, umgeben von Mandelbäumen und Terrassenfeldern, Herz des Biosphärenreservats
  • Agaete und Puerto de las Nieves: weißes Fischerdorf, schwarze Klippen und Europas nördlichste Kaffeeplantage
  • Caldera de Bandama: fast ein Kilometer Kraterdurchmesser, entstanden vor rund 2.000 Jahren, heute Monumento Natural
  • Teror: Basilika der Virgen del Pino und kanarische Herrenhäuser mit geschnitzten Holzbalkonen

Geschichte und Hintergrund

Die Geschichte der Insel beginnt mit den Guanchen, einer berberisch geprägten Bevölkerung, die hier eine agrarische Gesellschaft aufbaute. Ihr Erbe steht noch in der Wand: der Cenobio de Valerón, ein in Tuffstein geschlagener Getreidespeicher mit Hunderten von Kammern, der aussieht wie eine riesige Wabe. Die Eroberung durch die Krone von Kastilien dauerte von 1478 bis 1483 und war langwierig und blutig. Danach wurde die Insel zu einem Knotenpunkt des Atlantikverkehrs. Kolumbus machte 1492 auf seiner ersten Fahrt hier Station, um zu reparieren und Proviant zu nehmen, und die Casa de Colón erinnert an diesen Aufenthalt mit Nachbildungen alter Seekarten und nautischer Instrumente. Die Geschichte der Insel und ihrer ersten Bewohner erzählt der Artikel der spanischen Wikipedia ausführlicher.

Was mich am meisten für sich einnimmt, ist die Landwirtschaft, die sich auf diesem Vulkangestein behauptet. Die Papas arrugadas, kleine in Meersalz gesottene Kartoffeln, stammen aus der Zeit der transatlantischen Seefahrt. Der Queso de Flor de Guía wird bis heute mit dem Lab der wilden Artischocke geronnen, und der rum aus Arucas, seit 1884 gebrannt, lagert in mehr als viertausend Eichenfässern. Im feuchten Tal von Agaete schließlich wächst die einzige nennenswerte Kaffeeernte Europas, eine Arabica der Varietät Typica, im Schatten der Avocadobäume.

Selbst die höchste Erhebung der Insel ist eine kleine Geschichte für sich. Lange galt der Pico de las Nieves mit 1.949 Metern als Dach der Insel, und so steht es in unzähligen Reiseführern. Moderne Lasermessungen haben jedoch gezeigt, dass der unscheinbare Nachbarfelsen Morro de la Agujerada mit 1.957 Metern acht Meter höher ist. Wer auf dem Pass zwischen beiden steht, sieht den Unterschied nicht, aber die Karten wurden neu gezeichnet. Seit 2005 gehört fast die ganze Insel zum Biosphärenreservat der UNESCO, und der Cabildo pflegt ein Wanderwegenetz von über 800 Kilometern Länge. Davon werde ich auf den nächsten Tafeln ausführlich berichten.

Praktisches

  • Anreise: Flug nach Las Palmas (LPA), ab Mitteleuropa rund 4,5 Stunden. Für Bürger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz genügt der Personalausweis.
  • Fortbewegung: Mietwagen ist Pflicht. Die Busse der Guaguas Global bedienen die Küste zuverlässig, die Bergdörfer aber zu selten. Auf GC-60 und GC-200 gilt: Serpentinen, Ruhe, vorausschauendes Fahren.
  • Klima: Subtropisch-ozeanisch, sehr beständig. Am angenehmsten sind März bis Mai und September bis Oktober; das Meer hat im September rund 24 Grad.
  • Wasser: Das Leitungswasser stammt fast vollständig aus Entsalzungsanlagen, ist unbedenklich, schmeckt aber nach Anlage. Einheimische trinken Flaschenwasser.
  • Sonne: Die UV-Strahlung ist auch im Winter kräftig, in den Höhenlagen deutlich stärker als an der Küste. Hut und LSF 50 gehören in den Rucksack.
  • Budget: Für ein gehobenes Reiseniveau mit Finca oder Boutique-Hotel, Mietwagen und guter Küche rechnet man 250 bis 350 Euro pro Tag und Person.

Bildtafeln

Bergdorf Vega de San Mateo mit traditioneller Architektur, historische Fotografie in Sepia
TAFEL N° 1 · Archiv: Bergdorf Vega de San Mateo, Aufnahme Luis Ojeda Pérez, 1890 · Wikimedia Commons, Public Domain
Kupferstich der Caldera de Bandama mit vulkanischer Berglandschaft
TAFEL N° 2 · Archiv: Caldera de Bandama, Kupferstich aus Popular Science Monthly, 1898 · Wikimedia Commons, Public Domain

Geprüft am 2026-08-02

Quellen

  • Wikipedia (es): Gran Canaria
  • ISTAC / Observatorio Turístico de Gran Canaria, Jahresstatistik 2024
  • AEMET: Klimanormalwerte Flughafen Gran Canaria 1981–2010
  • Cabildo de Gran Canaria: grancanariasenderos.com, 2024
  • UNESCO / Red Canaria de Reservas de la Biosfera, Deklaration 2005
  • La Provincia, 14.09.2025: Morro de la Agujerada als höchster Punkt
  • Radio Televisión Canaria, 2023: Sanktionen in den Dünen von Maspalomas