Indochina · N° 02
Nordvietnam
Hanoi und die stillen Buchten

September bis Oktober sowie März bis Mai
10–14 Tage
€€€
Warum dieser Ort
Man steht am Ufer des Hoan-Kiem-Sees, und die Stadt rauscht an einem vorbei, ein Strom aus Rollern, Fahrrädern und fliegenden Händlern. Ein alter Mann macht auf einer Bank seine Morgenübungen, als gäbe es um ihn herum nichts anderes. Das ist Hanoi in einem Bild: rastlos und gelassen zugleich. Wer über die Straße will, geht langsam und berechenbar, und die Roller weichen aus, als hätten sie es immer so gehalten. Ich habe in drei Tagen keinen einzigen bösen Blick gesehen, nur Geduld. Von hier aus führt die Reise in den Norden, zu den Karstbuchten, die im Nebel liegen, und in die Täler der Thái, wo die Reisfelder treppenförmig den Berg hinaufsteigen.
Highlights
- French Quarter: Spaziergänge auf den Boulevards von 1900, Opernhaus und ockergelbe Villen der Indochine-Zeit
- Lan-Ha-Bucht: dieselben Karstnadeln wie in Ha Long, aber weniger Schiffe, mit Boutique-Dschunken und Kajak
- Bai-Tu-Long-Bucht: die weite, nebelige Nachbarbucht im Norden, noch ruhiger als Lan Ha
- Trang An bei Ninh Binh: Sampanfahrt durch Wasserhöhlen, am besten vor dem Ansturm der Tagesgäste
- Pu-Luong-Naturreservat: Reisterrassen der Thái, Bambuswasserräder, geführte leichte Wanderungen
- Altstadt von Hanoi: sechsunddreißig Gassen, Bun Cha am Mittag, Egg Coffee am Nachmittag
- Ha-Giang-Loop: dramatische Bergstraßen im äußersten Norden, nur mit Privatfahrzeug und Fahrer
Geschichte und Hintergrund
König Ly Thai To gründete die Stadt im Jahr 1010 unter dem Namen Thang Long, was so viel heißt wie aufsteigender Drache. Nur sechzig Jahre später entstand der Literaturtempel, die erste Universität des Landes, in der Generationen von Gelehrten den Konfuzianismus studierten. Vom See des zurückgegebenen Schwertes erzählt man sich bis heute die Sage von der goldenen Schildkröte, die dem Helden Le Loi ein Schwert reichte, um die Eindringlinge zu vertreiben. Die deutsche Wikipedia erzählt die Geschichte Hanois von der Gründung bis heute.
Ab 1887 prägte Frankreich das Gebiet als Tonkin und gliederte es in Französisch-Indochina ein. Diese Zeit bis 1954 hinterließ das French Quarter mit seinen ockergelben Villen und tamarindenbestandenen Boulevards, das Opernhaus von 1911 und die St.-Joseph-Kathedrale. In scharfem Gegensatz dazu steht die Altstadt mit ihren sechsunddreißig Gassen, in denen sich seit dem 13. Jahrhundert Handwerker nach Zünften niederließen und es bis heute tun. Das Ho-Chi-Minh-Mausoleum schließlich, zwischen 1973 und 1975 erbaut, erinnert an den langen Kampf um die Unabhängigkeit.
Außerhalb der Stadt beginnt das zweite Gesicht des Nordens. Die Ha-Long-Bucht gehört seit 1994 zum Welterbe der UNESCO, wurde im Jahr 2000 erweitert und 2023 um das Cat-Ba-Archipel ergänzt. Zugleich stuft die IUCN den Zustand des Gebiets als Significant Concern ein, der Massentourismus bedroht die Bucht. Wer sie still erleben will, fährt in die Nachbarbuchten Lan Ha und Bai Tu Long, die dasselbe Karstspektakel mit rund 1.600 Inseln bieten, aber weniger Schiffe. In der Provinz Ninh Binh wartet eine trockene Schwester der Bucht: der Trang-An-Komplex, durch den Frauen in Sampans durch Wasserhöhlen rudern, am besten vor neun Uhr morgens.
Und dann sind da die Berge. Im Pu-Luong-Naturreservat bewirtschaftet die Minderheit der Thái ihre Terrassenfelder mit hölzernen Wasserrädern, und kleine Eco-Lodges tragen mehr zum Erhalt des Dorfes bei als manche große Hotelanlage anderswo. Wer weiter nach Norden will, nimmt den Ha-Giang-Loop, aber nur mit geländegängigem Privatfahrzeug und ortskundigem Fahrer. Eigene Fahrten mit Mietwagen oder Roller sind in dieser Region keine gute Idee, davon handelt der nächste Abschnitt.
Praktisches
- Visum: E-Visum über das offizielle Portal evisa.gov.vn, 25 US-Dollar einfach, 50 für die Mehrfacheinreise. Der angegebene Grenzübergang muss mit der tatsächlichen Einreise übereinstimmen, sonst droht die Abweisung.
- Anreise: Direktflüge mit Vietnam Airlines ab Frankfurt und München zum Flughafen Noi Bai, rund 11 bis 12 Stunden.
- Fortbewegung: Privater, klimatisierter Wagen mit ortskundigem Fahrer, das gilt besonders für Gäste ab 55 Jahren. Am Flughafen nur vorab gebuchte Transfers oder offizielle Taxis wie Mai Linh.
- Gesundheit: Hepatitis-A-Schutz nach STIKO, Tollwut wegen der Tempelaffen und Straßenhunde, bei längeren Aufenthalten in Reisanbaugebieten Japanische Enzephalitis. Dengue gibt es ganzjährig, Mückenschutz mit DEET ist Pflicht.
- Wasser: Leitungswasser ist landesweit nicht trinkbar, auch zum Zähneputzen gilt Flaschenwasser.
- Klima: Subtropisch mit vier Jahreszeiten. Taifunsaison von Juli bis Oktober, Warnungen von VNAT und Auswärtigem Amt ernst nehmen, Kreuzfahrten werden bei Sturm abgesagt.
- Budget: Im Premiumsegment 150 bis 300 Euro pro Tag und Person, für Lodges, Fahrer, Dschunke und gute Küche. Bargeld in Dong für Läden und Dörfer einplanen.
Bildtafeln


Geprüft am 2026-08-02
Quellen
- Wikipedia (de): Hanoi
- VNAT / Vietnam Government News, Dezember 2025: 21,5 Mio. Ankünfte 2025, Ziel 25 Mio. 2026
- UNESCO World Heritage Centre: Ha Long Bay, Liste 672, Erweiterung Cat Ba 2023
- IUCN World Heritage Outlook 4, 2025: Zustand Ha Long Significant Concern
- WMO World Weather Information Service: Hanoi, Klimaperiode 1991–2020
- RKI/STIKO: Reiseimpfungen Vietnam, Epidemiologisches Bulletin
- Auswärtiges Amt: Reise- und Sicherheitshinweise Vietnam