Mittelmeer · N° 04

Menorca

Ein Küstenweg um die Insel und das Welterbe der Talayoten

Menorca
Beste Reisezeit

Mai bis Juni sowie September und Oktober

Empfohlene Dauer

7–10 Tage

Budget

€€€

Warum dieser Ort

Mit der Fähre komme ich gern an, das gibt einer Insel Zeit, sich vorzustellen. Als die Küste Menorcas aus dem Morgennebel auftauchte, war sie flach und grün und ließ nicht ahnen, was im Landesinneren lag. In den folgenden Tagen lernte ich eine Insel kennen, die kleiner und ruhiger ist als ihre berühmte Schwester im Südwesten und die seit 1993 als Biosphärenreservat der UNESCO ihre eigene Geschwindigkeit verteidigt. Dazu gehört der Camí de Cavalls, ein Küstenweg von 185 Kilometern, der die ganze Insel umrundet, und dazu gehören mehr als fünfzehnhundert vorgeschichtliche Stätten, von denen zweihundertachtzig seit 2023 zum Welterbe zählen. Beides zusammen hat mich gelehrt, auf Menorca langsam zu gehen.

Highlights

  • Camí de Cavalls: 185 Kilometer Küstenweg in zwanzig Etappen um die ganze Insel, am schönsten in Tagesetappen von acht bis zwölf Kilometern
  • Naveta des Tudons: der große bootsförmige Grabbau bei Ciutadella, eines der besterhaltenen Megalithmonumente Europas
  • Torre d'en Galmés: die größte prähistorische Siedlung der Balearen, hoch über der Südküste
  • Taula von Torralba d'en Salort: das T-förmige Heiligtum im Landesinneren, gleich neben einer Hofkäserei
  • Ciutadella: die alte Hauptstadt mit Palästen und engen Gassen; im Juni feiert sie ihr Fest Sant Joan mit den schwarzen Menorquiner-Pferden
  • Maó: der tiefe Naturhafen mit der Festung La Mola, und am Ufer die alte Gin-Destillerie
  • Cala Macarella und Cala en Turqueta: feinsandige Südbuchten zwischen Pinienwäldern, im Sommer nur mit dem Bus erreichbar

Geschichte und Hintergrund

Die Geschichte der Insel beginnt lange vor den Römern. Die Talayot-Kultur, benannt nach ihren turmartigen Bauten, besiedelte Menorca von der späten Bronzezeit bis zur römischen Eroberung im Jahr 123 vor Christus. Auf kaum siebenhundert Quadratkilometern haben die Archäologen mehr als fünfzehnhundert Fundstätten gezählt, eine Dichte, die in Europa ihresgleichen sucht. Die Taulas, T-förmige Steinmonumente mit sakraler Bedeutung, kommen nur auf Menorca vor, und die Navetas, bootsförmige Grabbauten aus mächtigen Platten, gibt es sonst nirgends in dieser Form. Im September 2023 nahm die UNESCO das Ensemble als Menorca Talayótica in die Welterbeliste auf, zweihundertachtzig Stätten in neun Zonen.

Später wechselten die Herren häufig. Die Krone von Aragon eroberte die Insel 1287 und brachte das Katalanische mit, das bis heute gesprochen wird. Im 18. Jahrhundert kamen die Briten, mit Unterbrechungen von 1708 bis 1802, und hinterließen Schiebefenster, rote Fassaden und eine Vorliebe für Gin, die man in Maó bis heute pflegt. Der tiefe Naturhafen der Stadt, einer der größten des Mittelmeers, war ihnen wichtiger als die alte Hauptstadt Ciutadella im Westen, und so verschob sich das Gewicht der Insel nach Osten.

Der Camí de Cavalls, der Weg der Pferde, umrundet die Insel auf 185 Kilometern und ist offiziell in zwanzig Etappen geteilt. Einst ritten die Wachen hier die Küste ab; heute ist er ein Wanderweg des GR-Netzes, streng verwaltet vom Consell Insular. An seinen Rändern stehen die Trockenmauern der Paret seca, die die UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt hat und die niemand überklettern darf. Auf den Etappen gibt es kaum Schatten und kaum Wasserstellen; die Tagesration gehört am Morgen in den Rucksack, das habe ich auf meiner ersten Wanderung schmerzhaft gelernt.

Seit 1993 ist Menorca Biosphärenreservat, siebzigtausend Hektar Land und fast vierhundertfünfzigtausend Hektar Meer, und die Insel nimmt diesen Titel ernst. Im Sommer sind die empfindlichen Buchten wie Macarella oder Favàritx für Privatwagen gesperrt, Besucher kommen nur mit dem Bus hin, und ab 2027 soll die Zahl der gleichzeitig anwesenden Fahrzeuge auf 120.000 begrenzt werden. Ein ernstes Thema bleibt das Trinkwasser: Die Daten des staatlichen Informationssystems SINAC wiesen im Juli 2026 mehr als ein Viertel der Proben als nicht genusstauglich aus, vor allem wegen Nitrat aus übernutzten Grundwasserleitern. Ich trinke auf Menorca Flaschenwasser und koche mit dem gleichen.

Praktisches

  • Anreise: Flug nach Maó (MAH), in der Schulter- und Hochsaison mit Direktverbindungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Fähren verkehren von Barcelona, Valencia und Mallorca nach Ciutadella und Maó. Für DACH-Bürger genügt der Personalausweis.
  • Fortbewegung: Mietwagen für das Landesinnere, Busse des TIB-Netzes für die Küste. Im Sommer gelten Zufahrtsbeschränkungen für Macarella, Macarelleta, Favàritx und Punta Nati, dann führt der Weg über die Buslinien.
  • Klima: Mittelmeerklima mit dem kühlenden Nordwind Tramuntana. Am angenehmsten sind Mai bis Juni und September bis Oktober; im Hochsommer wandert man nur in den frühen Morgenstunden, AEMET warnt dann regelmäßig vor Hitzewellen.
  • Wasser: Das Leitungswasser ist nach den Daten des staatlichen SINAC nicht durchgehend genusstauglich. Ich trinke Flaschenwasser, das es überall gibt.
  • Wandern: Auf den Etappen des Camí de Cavalls gibt es kaum Schatten und keine Trinkwasserquellen. Zwei bis drei Liter Wasser pro Person gehören am Morgen in den Rucksack, dazu Sonnenschutz, Kopfbedeckung und feste Schuhe.
  • Kulinarik: Queso Mahón-Menorca mit der gewürzten Rinde, Langusteneintopf in Fornells, Sobrassada, und zum Abschluss eine Pomada, Gin mit Zitronenlimonade, wie ihn die Briten hinterlassen haben.
  • Budget: Für ein gehobenes Niveau mit Finca, Mietwagen und guter Küche rechne ich mit 250 bis 400 Euro pro Tag und Person.

Bildtafeln

Grundriss und Schnitt der Naveta des Tudons, technische Zeichnung von Émile Cartailhac
TAFEL N° 1 · Archiv: Plan der Naveta des Tudons, Zeichnung Émile Cartailhac, 1912 · Wikimedia Commons, Public Domain
Ansicht des Hafens von Maó mit der Festung La Mola, Zeichnung von Giuseppe Chiesa
TAFEL N° 2 · Archiv: La Mola bei Maó, Zeichnung Giuseppe Chiesa, 1770 · Wikimedia Commons, Public Domain

Geprüft am 2026-08-03

Quellen

  • Consell Insular de Menorca / MITECO: Camino Natural Camí de Cavalls (GR 223), 185 km in 20 Etappen
  • UNESCO / La Moncloa: Menorca Talayótica als Welterbe, 18.09.2023
  • Agència Menorca Reserva de Biosfera / MITECO: Biosphärenreservat seit 1993
  • INE: Bevölkerung Menorca, vorläufige Daten Juli 2025
  • AEMET: Klimadaten Menorca
  • SINAC / Ministerio de Sanidad, Meldungen Juli 2026: Trinkwasserqualität
  • Consell Insular de Menorca: Zufahrtsbeschränkungen und Fahrzeuglimit ab 2027
  • Govern de les Illes Balears: Fest de Sant Joan, Paret seca als immaterielles Kulturerbe