Wanderung · Leicht bis anspruchsvoll, je nach Etappe; Trittsicherheit auf Karst ist nötig
Camí de Cavalls

Tagesetappen von 6 bis 14 Kilometern; die ganze Umrundung braucht etwa zwei Wochen
Leicht bis anspruchsvoll, je nach Etappe; Trittsicherheit auf Karst ist nötig
Mai bis Mitte Juni sowie September und Oktober; im Hochsommer nur in den frühen Morgenstunden
Geübte Gelegenheitswanderer; die empfohlenen Etappen sind auch für über Siebzigjährige machbar
Die Tour
Ich habe den Camí de Cavalls nie am Stück gegangen. Man kann das, die Insel ist klein, und manche schaffen die Umrundung in zwei Wochen. Ich habe ihn in Tagesstücken gegangen, von drei Stützpunkten aus, in Maó, Ciutadella und Es Mercadal, mit dem Bus am Morgen zum Weg und am Nachmittag zurück. Das ist die bequemere Art, und sie ist mir lieber, denn sie gibt jeder Etappe ihren eigenen Tag.
Der Weg heißt Weg der Pferde, und er ist ein Erbe der Verteidigung. Schon im vierzehnten Jahrhundert ritten bewaffnete Reiter der Insel, die Cavallers, die Küste ab, um Piraten zu melden; im achtzehnten Jahrhundert bauten die Briten das Wegenetz zur Festungskette aus. Fort Marlborough bei Cala Sant Esteve liegt tief im Fels, und an der Nordküste stehen die Wehrtürme von Fornells und sa Mesquida noch heute am Weg.
Die Insel ist geologisch zweigeteilt, und der Weg führt durch beide Hälften. Im Norden, in der Tramuntana, herrschen dunkle Schiefer und roter Sandstein, das Gelände ist rau und windig. Der Süden, Migjorn genannt, besteht aus hellem Kalk, dem Marès, und die tiefen Schluchten, die Barrancos, schneiden sich bis ans Meer. Der Kontrast ist so stark, dass man meinen könnte, auf zwei Inseln zu wandern.
Überall am Weg stehen die Trockenmauern der Paret seca, rund elftausend Kilometer auf der ganzen Insel, ein immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Man überklettert sie nicht und baut sie nicht ab, und man verlässt den Weg nicht. Menorca ist seit 1993 Biosphärenreservat, und wer dort wandert, merkt schnell, dass die Insel ihre Regeln ernst nimmt.
Vom Hafen Maó aus beginnt die erste Etappe nach Es Grau, zehn Kilometer, leicht zu gehen, und am Ziel wartet der Naturpark S'Albufera. Von Es Grau führt die zweite zum schwarzen Schieferkap von Favàritx, achteinhalb Kilometer durch den Park. Im Südwesten verbinden die Etappen zwölf und dreizehn die Buchten von Turqueta und Galdana, und die kurze Etappe fünfzehn von Sant Tomàs nach Son Bou läuft durch die größten Dünensysteme der Insel. Für die Altersgruppe, der ich angehöre, sind das die vier schönsten Stücke.
Das Observatorium der Insel hat die Auslastung der Strände gemessen, und die Zahlen sprechen für den Norden. Die Cala Mitjana im Süden erreichte in den Messungen des Jahres 2022 eine Auslastung von 476 Prozent, während nördliche Buchten wie Cala Rambles fast unberührt blieben. Wer Ruhe sucht, geht also im Norden oder im September.
Der Weg selbst ist kostenlos und öffentlich. Für die Rückkehr sorgen die Busse des TIB-Netzes, die seit 2026 per Bankkarte zahlen lassen; Einzelfahrten kosten etwa 1,50 bis 5,10 Euro, Stand 2026, Residenten fahren weiter frei. In der Hochsaison sind Punta Nati, Favàritx und die Buchten Macarella und Macarelleta für Privatwagen gesperrt, dann bringen Shuttlebusse die Besucher hin. Die Fahrpläne ändern sich jedes Jahr, ich prüfe sie vor der Abreise.
Wandern lässt sich von Mai bis Mitte Juni und von September bis Oktober am besten. Im Hochsommer ist der Weg schattenlos, und ich breche dann vor Sonnenaufgang auf, damit ich vor dreizehn Uhr am Ziel bin. Trinkwasser gibt es auf den naturnahen Etappen keins, zwei bis drei Liter gehören am Morgen in den Rucksack. Das habe ich auf meiner ersten Etappe gelernt, auf eine Art, die ich kein zweites Mal brauchte.
Warnung des Kartographen
Bei Hitzewarnungen des Wetterdienstes AEMET in Gelb oder Orange sollte man auf dem schattenlosen Küstenweg nicht wandern; das Zentrum des Zivilschutzes der Balearen empfiehlt dann Ruhepausen im Schatten und reichlich Wasser. Die Waldbrandgefahr veröffentlicht die Behörde Ibanat täglich, offenes Feuer ist verboten, und bei hohen Warnstufen können waldreiche Abschnitte gesperrt werden. Bei aufkommendem Nordwind, der Tramuntana, halten sich Wanderer von Klippenkanten und Wellenbrechern fern, Brecher können Menschen ins Meer reißen. Bei Gewittern verlässt man trockene Flussbetten und Schluchtausgänge sofort, sie füllen sich in Minuten zu reißenden Strömen. Notruf der Insel: 112.
Bildtafeln



Was mitnehmen
- Zwei bis drei Liter Wasser pro Person, auf den naturnahen Etappen gibt es keine Quellen
- Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor und Kopfbedeckung, der Weg ist weithin schattenlos
- Knöchelhohe Wanderschuhe, der Karst ist scharfkantig
- Windjacke und Zwiebelschichten, die Tramuntana kühlt die Steilküsten auch im Frühsommer
- Verpflegung und ein kleines Erste-Hilfe-Set
- Offline-Fahrpläne der TIB-Busse und ein geladenes Telefon mit Powerbank, der Notruf ist 112
- Badezeug und ein Mikrofasertuch, viele Buchten sind nur zu Fuß erreichbar
Geprüft am 2026-08-05
Quellen
- MITECO / Caminos Naturales: Camino Natural Camí de Cavalls (GR 223), 185 km in 20 Etappen
- Consell Insular de Menorca: offizielle Kartografie des Camí de Cavalls
- TIB / CTM: Tarife und Bankkartenzahlung, Stand 2026; Residenten fahren frei
- Autos Fornells: Linien L43 (Maó–Favàritx) und L68 (Ciutadella–Macarella), Fahrpläne der Saison 2026
- OBSAM: Auslastungsmessungen der Strände und Buchten, Erhebung 2022
- SEIB 112 Illes Balears, AEMET und Ibanat: Hitze-, Sturm- und Waldbrandwarnungen