Südamerika · N° 06
Arequipa und der Colca-Canyon
Weiße Stadt, tiefe Schlucht und die Kondore am Morgen

Mai bis November
6–8 Tage
€€€
Warum dieser Ort
Der erste Eindruck von Arequipa ist hell. Die Stadt nennt sich die Weiße Stadt, und das ist keine Übertreibung: Ihre Fassaden sind aus Sillar, einem weißen Vulkangestein, das vor rund anderthalb Millionen Jahren aus den Hängen des Pichu Pichu geflossen ist und das man bis heute mit Pickel und Meißel aus den Steinbrüchen von Añashuayco schlägt. Hinter den Dächern steht der kegelförmige Misti, 5.822 Meter hoch, im Winter schneebedeckt, und die ganze Stadt lebt mit diesem Anblick. Auf 2.335 Metern Höhe ist Arequipa auch der kluge Auftakt einer Andenreise: Der Körper gewöhnt sich hier an die dünnere Luft, bevor man in Cusco oder am Titicacasee ankommt, und das Colca-Tal liegt als Tagesziel vor der Tür.
Highlights
- Plaza de Armas: die Kathedrale aus weißem Sillar mit dem Misti im Hintergrund, das Herz der Stadt
- Kloster Santa Catalina: fast 20.000 Quadratmeter Klosterstadt mit leuchtend bemalten Gassen, bis 1970 hermetisch abgeriegelt
- Museo Santuarios Andinos: hier ruht Juanita, die 1995 am Vulkan Ampato entdeckte Eismumie, meist von Mai bis Dezember
- Mirador Cruz del Cóndor: der Aussichtspunkt auf 3.553 Metern, von dem aus die Kondore mit der Morgenthermik aufsteigen
- Colca-Tal: Terrassen aus tausend Jahren, Barockkirchen in Yanque und Maca, Thermalquellen in Chivay
- Yanahuara: die Sillar-Bögen des alten Viertels mit dem Blick auf die Vulkan-Triade
- Steinbrüche von Añashuayco: hier wird der weiße Sillar bis heute von Hand geschlagen
Geschichte und Hintergrund
Garcí Manuel de Carbajal gründete die Stadt am 15. August 1540 im Auftrag Francisco Pizarros, auf altem Inkaterritorium, das die Inka um 1450 durch Bündnisse an sich gebunden hatten. Der Name kommt vermutlich aus dem Quechua und bedeutet so viel wie Bleib hier. Die Geschichte der Stadt ist eine Geschichte der Erdbeben. 1582, 1868 und zuletzt 2001 erschütterten schwere Beben die Region, und jedes Mal wurde aus Sillar neu gebaut, gedrungen und massiv, mit dicken Mauern und niedrigen Bögen. Aus dieser Notwendigkeit ist der andine Barock entstanden, der die Altstadt bis heute prägt und den die UNESCO im Jahr 2000 in die Welterbeliste aufgenommen hat.
Das größte stille Bauwerk ist das Kloster Santa Catalina, 1579 gegründet, fast zwanzigtausend Quadratmeter groß, eine Stadt in der Stadt mit Gassen, Höfen und Brunnen, deren Wände in tiefem Rot und Indigoblau leuchten. Bis 1970 lebten die Nonnen hinter verschlossenen Türen, erst dann wurde der Komplex für Besucher geöffnet. Ich habe dort einen Nachmittag verbracht und mich mehr als einmal verlaufen, was in diesem Labyrinth zum Vergnügen wird.
Das Colca-Tal, drei Autostunden nördlich über den Pass von Patapampa auf 4.910 Metern, ist ein Museum der Terrassenwirtschaft. Die Collagua und Cabana bewirtschafteten die Hänge seit etwa 600 nach Christus, die Inka übernahmen das System um 1450, und die Spanier siedelten die Bevölkerung im 16. Jahrhundert in Dörfern wie Yanque und Maca zusammen, deren Barockkirchen bis heute stehen. Der Canyon misst nach den Vermessungen des peruanischen Geographieinstituts an seiner tiefsten Stelle 3.270 Meter. Dass er der tiefste der Welt sei, behaupten gern die Prospekte; die Fachleute streiten sich darüber, und ich halte mich an die Vermessung.
Am Morgen fährt man zum Cruz del Cóndor, einem Aussichtspunkt auf 3.553 Metern, und wartet still. Zwischen sieben und neun Uhr steigen die Andenkondore mit der ersten Thermik aus der Schlucht auf, Vögel mit einer Spannweite von mehr als drei Metern, und gleiten minutenlang ohne einen Flügelschlag über den Rand. Die Behörden schreiben absolute Stille vor, damit die Tiere nicht gestört werden; angefüttert wird nicht, Drohnen sind verboten. Die Klippen sind nicht durchgehend gesichert, und man hält sich an die Anweisungen der Parkverwaltung. Im Tal gelten die Terrassen als lebendige Denkmäler, betreten darf man sie nur auf den ausgewiesenen Wegen.
Praktisches
- Anreise: Keine Direktflüge aus dem deutschsprachigen Raum. Über Lima, dessen neues Terminal im Juni 2025 eröffnet wurde, dann mit dem Inlandsflug nach Arequipa, rund 90 Minuten.
- Höhe: Arequipa liegt auf 2.335 Metern, der Colca-Talboden auf etwa 3.600, der Pass auf 4.910 Metern. Stufenweise akklimatisieren, viel trinken, anfangs langsam gehen. Warnsymptome der Höhenkrankheit ernst nehmen; hält der Schwindel an, geht es hinunter unter 2.000 Meter.
- Fortbewegung: Für das Colca-Tal ist ein Privatfahrer Pflicht, die Strecke ist lang und kurvenreich. Nachtfahrten über die Pässe meide ich strikt. In der Stadt nur registrierte Taxis, am besten über das Hotel bestellt.
- Klima: Trockenzeit von Mai bis November. Nachts sinken die Temperaturen im Tal bis nahe an den Gefrierpunkt, tagsüber scheint die Sonne kräftig; Zwiebelschichten und Sonnenschutz mit LSF 50 gehören in den Rucksack.
- Geld: In Arequipa sind Kreditkarten üblich, im Colca-Tal zählt Bargeld in kleinen Scheinen.
- Juanita: Die Eismumie ist im Museo Santuarios Andinos ausgestellt, meist von Mai bis Dezember; im übrigen Jahr ruht sie aus konservatorischen Gründen in der Kühlkammer, dann zeigen die Vitrinen andere Funde.
- Kulinarik: Picanterías mit Rocoto relleno, Chupe de camarones und Adobo arequipeño, im Tal Alpaka-Fleisch, zum Abschluss Queso helado und ein Pisco Sour.
Bildtafeln



Geprüft am 2026-08-03
Quellen
- INEI: Zensus 2025, Bevölkerung der Region Arequipa
- UNESCO World Heritage Centre: Historisches Zentrum von Arequipa, eingetragen 2000
- MINCUL / gob.pe: Kloster Santa Catalina
- AUTOCOLCA (colcaperu.gob.pe): Colca-Tal, Cruz del Cóndor, Patapampa-Pass
- IGN Peru: Vermessung des Colca-Canyons, 3.270 m
- SERNANP: Andenkondor, Spannweite bis 3,2 m
- INGEMMET: Erdrutsch-Monitoring der Distrikte Maca und Achoma
- Auswärtiges Amt: Reise- und Sicherheitshinweise Peru, Stand 2026