Kultur & Archäologie · Leicht; wenige koloniale Steinstufen, spürbare Kälte im Mumiensaal auf 2.335 m Stadt-Höhe
Museo Santuarios Andinos

1,5 bis 2 Stunden (inklusive einleitendem Dokumentarfilm)
Leicht; wenige koloniale Steinstufen, spürbare Kälte im Mumiensaal auf 2.335 m Stadt-Höhe
Ganzjährig geöffnet; Eismumie Juanita ist regulär von Mai bis Dezember ausgestellt (Januar bis April konservatorische Ruhephase, ersatzweise ist Sarita zu sehen)
Erwachsene und Kulturinteressierte; für sensible Gemüter und jüngere Kinder wegen der Thematik von Menschenopfern nur mit bewusster Vorbereitung
Die Tour
Nur einen halben Häuserblock von der Plaza de Armas entfernt, in der Calle La Merced 110, liegt das Museo Santuarios Andinos in der kolonialen Casa del Fundador. Wer durch das schlichte Portal tritt, lässt den Lärm der Altstadt hinter sich und betritt kühle, abgedunkelte Säle aus weißem Sillar-Gestein. Das Haus wird von der Universidad Católica de Santa María betrieben und widmet sich einer der tiefgründigsten religiösen Praktiken des Inka-Reiches: der Capacocha. Diese Staatszeremonie fand nicht willkürlich statt, sondern diente in Zeiten existenzieller Notlagen wie Vulkanausbrüchen, Dürren oder Erdbeben dazu, das Gleichgewicht zwischen den Menschen und den Berggottheiten, den Apus, wiederherzustellen. Die auserwählten Kinder galten in der andinen Kosmologie nicht als Bestrafte, sondern als reine Gesandte, die für ihr Volk vermittelten.
Die Entdeckung am 8. September 1995 war einer Laune der Natur geschuldet. Als der Nachbarvulkan Sabancaya Asche spie, dunkelte die Eiskappe des 6.300 Meter hohen Stratovulkans Ampato nach. Die dunkle Schicht schluckte das Sonnenlicht, der Permafrost taute an, und der US-Anthropologe Johan Reinhard entdeckte gemeinsam mit dem peruanischen Alpinisten Miguel Zárate das freigelegte Grabbündel kurz vor dem Absturz in die Tiefe. Durch die extreme Kälte und Trockenheit der Höhenluft waren Haut, Haare, Gewebe und selbst die Kleidung über fünfhundert Jahre lang nahezu unversehrt konserviert geblieben. Die Forscher gaben dem Mädchen den Namen Juanita, die Dame von Ampato. Heute ist sie gemeinsam mit über achtzig weiteren Grabbeigaben als nationales Kulturerbe Perus anerkannt.
Mein Weg durch die fünf Säle führt an kunstvoll gewebten Textilien, federgeschmückten Miniaturstatuen aus Silber und seltenen Spondylus-Muscheln vorbei, die damals mühsam von der Küste Ecuadors in die Hochanden transportiert wurden. Am Ende des Rundgangs wartet der stille Höhepunkt: Eine abgedunkelte Kammer, in der Juanita in einer gläsernen Kühlvitrine bei minus fünfundzwanzig Grad ruht. Die Atmosphäre ist von andächtiger Stille geprägt, jedes laute Wort verbietet sich von selbst. Ich betrachte ihr Antlitz mit großem Respekt. Seit Oktober 2023 zeigt das Museum zudem eine lebensnahe dreidimensionale Gesichtsrekonstruktion, die der schwedische Spezialist Oscar Nilsson auf Basis präziser Computertomografien schuf. Sie gibt dem Opfer ihre menschliche Würde und ein greifbares Gesicht zurück.
Der Eintritt kostet für ausländische Erwachsene 25 Soles, für Studierende mit Nachweis 13 Soles. Die offiziellen Öffnungszeiten der staatlichen Register lauten Dienstag bis Samstag von 9 bis 14 Uhr; da jedoch vor Ort immer wieder erweiterte Zeiten gelten, empfiehlt sich eine kurze Rückfrage am Vortag im Hotel. Am Eingang schließen sich Besucher meist einem lizenzierten Guide an, der auch auf Deutsch führt; das Trinkgeld ist offiziell freiwillig, fünf bis zehn Soles pro Person gelten als angemessene Anerkennung. Im gesamten Haus herrscht Blitzverbot, im Saal der Eismumie ist das Fotografieren aus konservatorischen Gründen strikt untersagt.
Warnung des Kartographen
Arequipa liegt auf 2.335 Metern Höhe und eignet sich hervorragend zur ersten Höhenanpassung vor Weiterfahrten in den Colca-Canyon oder nach Cusco. Das Auswärtige Amt rät dringend davon ab, Taxis auf der Straße heranzuwinken, da unregistrierte Fahrer ein Sicherheitsrisiko darstellen; Fahrten sollten ausschließlich über das Hotel oder verifizierte Apps organisiert werden. Da die Ausstellungsräume und insbesondere der finale Mumiensaal stark klimatisiert sind, schützt eine wärmende Jacke vor der Kälte.
Bildtafeln


Was mitnehmen
- Bargeld in peruanischen Soles (25 PEN Eintritt sowie Trinkgeld für den Guide in kleinen Scheinen)
- Warme Kleidungsschicht (Pullover oder Fleecejacke) gegen die Kälte im Kühlsaal
- Flache, bequeme Schuhe für das Gehen auf historischen Steinfliesen
- Gültiger Reisepass oder internationaler Studentenausweis (ISIC) für den Einlass
Geprüft am 2026-10-17
Quellen
- MINCETUR / Inventario Turístico del Perú: Museo Santuarios Andinos (Ficha 2735)
- Universidad Católica de Santa María (UCSM): Archäologische Sammlungen und Konservierung
- National Geographic / Johan Reinhard: Discovering the Inca Ice Maiden (Ampato 1995)
- Dagmara Socha / Journal of Archaeological Science: Bioarchäologische CT-Untersuchungen der Capacocha-Opfer
- Auswärtiges Amt: Reise- und Sicherheitshinweise Peru (Stand 2026)