Praxis · 2026-08-03

Mit Kind und Kegel: die Kunst der kleinen Expedition

Mit Kind und Kegel: die Kunst der kleinen Expedition

Die Frage meiner Enkelin

Im Frühjahr hat meine Enkelin mich gefragt, wann ich mit ihr und ihrem Bruder verreise. Sie ist sechs, ihr Bruder neun, und die Frage kam beim Abendbrot, ganz nebenbei. Ich habe gesagt, bald. Dann habe ich gemerkt, dass ich erst wissen muss, wie man das macht: mit über sechzig, mit sechs und neun Jahren, und ohne dass am Ende alle enttäuscht sind.

Mit meinen eigenen Kindern bin ich damals losgezogen, als sie ungefähr so alt waren wie die Enkel heute. Was ich von diesen Reisen behalten habe, sind nicht die Tempel und nicht die Aussichtspunkte, sondern der Geruch von Regen auf heißem Asphalt, das Eis, das schneller schmolz, als man es essen konnte, und eine Fähre, auf der meine Tochter zum ersten Mal Möwen aus der Hand gefüttert hat. Die Psychologen sagen, Erinnerungen setzen etwa mit dem dritten, vierten Lebensjahr ein. Was bleibt, sind die kleinen Dinge, und die kleinen Dinge kann man nicht planen, man kann ihnen nur Raum geben.

Jetzt also die zweite Runde. Ich habe nachgelesen, bei den Behörden und in der Reisemedizin, und ich habe einen Plan gemacht, der hier aufgeschrieben ist. Vielleicht hilft er dem einen oder anderen, dem es ähnlich geht.

Halbe Portionen

Die erste Lektion habe ich vor dreißig Jahren gelernt und seither nicht vergessen: eine feste Sache pro Tag, mehr nicht. Der Vormittag gehört der Entdeckung, der Nachmittag der Erholung. Wer jeden Tag drei Sehenswürdigkeiten erzwingt, lernt am Ende nur den Trotz des Nachwuchses kennen, und der ist auf Reisen ebenso verlässlich wie das Wetter.

Kinder haben ihren eigenen Rhythmus, und der richtet sich nicht nach den Öffnungszeiten der Museen. Sie brauchen Pausen, in denen nichts passiert, ein Mittagessen, das nicht zu lange dauert, und einen Abend, der nicht überfüllt ist. Mir kommt das entgegen. Mit über sechzig reist man ohnehin in halben Portionen, und ich habe gelernt, das nicht als Verzicht zu sehen. Das Ungeplante ist der eigentliche Gewinn, damals wie heute.

Die Höhe: Cusco, Colca und der kleine Kreislauf

Mein großer Plan führt nach Peru, und Peru ist ein Land, das einen zuerst nach der Höhe fragt. Cusco liegt auf 3.400 Metern, der Rand des Colca-Canyons am Cruz del Cóndor auf 3.553. Arequipa mit seinen 2.335 Metern ist der sanfte Einstieg, dort will ich zwei Tage bleiben, ehe es hinaufgeht.

Ein hartnäckiger Irrglaube sagt, Kinder steckten die Höhe besser weg als Erwachsene. Die Reisemedizin ist da eindeutig: Kinder sind genauso anfällig für die Höhenkrankheit wie ihre Eltern, nur zeigen sie sie anders. Ein Kind, das plötzlich nichts mehr essen will, blass wird und quengelt, hat auf 3.400 Metern erst einmal ein Höhenproblem, bis zum Beweis des Gegenteils. Die Regel fürs Schlafen lautet: Ab 3.000 Metern höchstens 500 Meter mehr pro Tag. Die US-Gesundheitsbehörde CDC fasst die Regeln zur Höhenanpassung für Reisende jeden Alters in ihrem Yellow Book zusammen.

Ich selbst spüre die Höhe inzwischen deutlicher als früher, und so kommt mir die Vorsicht doppelt gelegen. Wer mit Kindern in die Anden will, plant langsam, legt Ruhetage ein und geht beim ersten Anzeichen hinunter, nicht hinauf. Und vor der Abreise gehört ein Termin in der Reisemedizin dazu, für die Enkel und für mich.

Indochina mit kleinen Füßen

Der andere Plan führt nach Luang Prabang, und dort beginnt der Tag früh. Vor Sonnenaufgang ziehen die Mönche durch die Straßen, die Almosenrunde Tak Bat. Man schaut ihr am besten still und aus einiger Entfernung zu. Die Regeln der Provinzverwaltung sind deutlich: Schultern und Knie bedeckt, kein Blitzlicht, Abstand halten. Wer den Enkeln vorher erklärt, dass das keine Vorführung ist, sondern ein stiller Brauch, hat schon die halbe Lektion gewonnen. Man steht daneben, und man hält den Kopf niedriger als der Mönch.

Tagsüber schonen die Boote die kleinen Beine. In Trang An gleitet man durch Karsthöhlen, ohne einen Schritt zu tun, das Ticket kostet 300.000 Dong, ungefähr zehn Euro, und der Preis richtet sich vor Ort nach dem Maßband statt nach dem Geburtsjahr: Wer unter 1,30 Meter misst, zahlt weniger. Bei den Fällen von Kuang Si endet der Tag im kühlen, türkisfarbenen Wasser.

Was Indochina von den Enkeln verlangt, ist vor allem Vorbereitung. Die feuchte Hitze ist der eigentliche Gegner, also viel trinken, mittags Schatten, abends lange Kleidung gegen die Mücken. Die Impfungen habe ich mit der Reisemedizin geklärt: Gegen die Japanische Enzephalitis gibt es einen Impfstoff ab dem zweiten Lebensmonat, empfohlen, wenn man länger in der Nähe von Reisfeldern unterwegs ist. Gegen Dengue gibt es eine Impfung ab vier Jahren, die STIKO rät zu ihr nur, wenn schon eine erste Infektion durchgemacht wurde. Was für die Enkel gilt, hat der Arzt gesagt, und so habe ich es gelassen.

Näher: Menorca und Gran Canaria

Nicht jede Expedition muss ans andere Ende der Welt führen, und der erste Versuch gehört dem Mittelmeer. Menorca ist seit 1993 Biosphärenreservat, seit September 2023 gehört seine prähistorische Kultur, die Menorca Talayótica, zum UNESCO-Welterbe. Die Steintürme der Talayots sind für Kinder wie Ritterburgen, und der Camí de Cavalls, 185 Kilometer Küstenweg in zwanzig Etappen, hat Abschnitte, die auch kleine Beine schaffen.

Auf Gran Canaria ist der Roque Nublo seit Februar 2025 streng reglementiert: 60 Personen pro Stunde, der Parkplatz am Fuß des Felsens ist geschlossen, man fährt mit dem Shuttle von Tejeda oder von Cruz de Los Llanos. Das klingt lästig und ist in Wahrheit eine Gnade. In den Dünen von Maspalomas verlässt man die Wege besser nicht, die Bußgelder gehen bis 600 Euro, und die Eidechsen danken es einem.

Regeln, die gelten

Pioniergeist ist gut, aber die Bürokratie kennt keine Gnade, und in Peru gilt das doppelt. Machu Picchu kostet 2026 für Erwachsene 163 Soles, das sind 152 für das Ticket und 11 für die Erhaltungsgebühr, die seit dem 1. Mai erhoben wird. Kinder von drei bis siebzehn zahlen 75, wer unter drei ist, geht frei. Die Tickets sind persönlich, es gibt sie nur über die offizielle Seite, und man bucht sie, bevor man fliegt, denn die Kontingente sind eng.

Den Inka-Trail gibt es ohne offizielle Altersgrenze, die Anbieter empfehlen ihn frühestens ab acht Jahren, und im Februar ist er ganz geschlossen. Mein Enkel mit neun käme also in Frage, wenn er es will. Ich selbst nehme den Zug.

Was in den Rucksack gehört

Was ich an Ausrüstung gelernt habe, ist kurz: Sonnenschutz auch für den Nacken, Elektrolytpulver, Pflaster in Kindergröße, ein vertrautes Tuch oder Buch für fremde Betten, und immer einen Snack und eine Flasche Wasser mehr, als man meint. Die Reisekrankenversicherung soll den Rücktransport abdecken, nicht nur die Behandlung, das raten die Verbraucherzentralen, und ich habe es befolgt. Weniger ist mehr, aber bei der Reisemedizin wird nicht gespart.

Die Kunst, nichts zu erzwingen

Am Ende ist das Reisen mit Kindern eine Übung in Demut. Wenn der Regen waagerecht über die Tempel weht und die kleinen Beine nicht mehr wollen, nützt der beste Atlas nichts. Dann setzt man sich, trinkt einen Tee und lässt den Tag ziehen, und genau dieser Tag wird später erzählt.

Ich reise nicht mehr, um Rekorde zu brechen. Ich will Geschichten, die man am Küchentisch erzählen kann, ehrliche und manchmal raue. Was bleibt von einer Reise mit Kindern? Die Geschichten. Und die kleine Frage meiner Enkelin hat mir gezeigt, dass sie auch ohne mich schon angefangen hat, welche zu sammeln.

Geprüft am 2026-08-03

Quellen

  • CDC Yellow Book 2026: High-Altitude Travel and Altitude Illness (zugleich der einzige Hyperlink dieses Artikels)
  • RKI/STIKO: FAQ zur Dengue-Impfung (Qdenga), Empfehlungsstand 2026
  • STIKO/RKI: Impfung gegen Japanische Enzephalitis, Empfehlungsstand 2026
  • Auswärtiges Amt: Reise- und Sicherheitshinweise Peru, Vietnam, Laos (Stand 2026)
  • Ministerio de Cultura del Perú / tuboleto.cultura.pe: Tarife Machu Picchu 2026, Circuits 1–3, Erhaltungsgebühr SERNANP ab 01.05.2026
  • SERNANP: Inka-Trail-Permits und Zugangsregeln, Kontingent 500 pro Tag
  • Cabildo de Gran Canaria: Zugangsregelung Roque Nublo (Deckelung 60 Personen pro Stunde, Shuttle ab Tejeda und Cruz de Los Llanos, seit Februar 2025)
  • MITECO: Camí de Cavalls, 185 km in 20 Etappen (caminosnaturales.es)
  • UNESCO: Menorca Talayótica, Welterbe seit 18.09.2023
  • Offizielle Preisliste Trang An 2026 (300.000 VND Erwachsene)
  • Provinzverwaltung Luang Prabang: Regeln zur Tak-Bat-Zeremonie
  • Verbraucherzentralen / Deutsche Gesellschaft für Reisemedizin: Reisekrankenversicherung und Krankenrücktransport